“Ich träume jede Nacht davon, wieder mit ihm zu sein!”

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Ein alleinerziehender Vater ist mit drei minderjährigen Kindern in Griechenland – sein 12-jähriger Sohn alleine in Deutschland

Hassan H.* aus Afghanistan kam im August 2018 mit seinen vier Kindern nach Lesbos, Griechenland. Kurz bevor sie von dort aus dem Iran geflohen sind, starb seine Frau. Als der alleinerziehende Vater ein Jahr später versuchte, Griechenland über den Balkan zu verlassen, ging einer seiner Söhne verloren. Er und seine verbleibenden drei Kinder wurden nach Griechenland zurückgeschoben. Später nahm sein Sohn von Deutschland aus Kontakt mit ihm auf, aber dem Vater wurde von den griechischen Behörden mitgeteilt, dass er unter den gegebenen Umständen keine Familienzusammenführung beantragen könne.

“Wir blieben sieben Monate in einem Zelt in Moria. Es gab eine Menge Kämpfe. Ich liess meine Kinder aus Angst nicht nach draussen. Ich wusste nicht, wie ich sie sonst hätte schützen können. Als wir schließlich im Frühjahr 2019 nach Athen verlegt wurden, war ich zunächst sehr glücklich. Vom Hafen aus wurden wir in das Lager Skaramangas gebracht. Dort angekommen sah ich ein riesiges Dorf aus Containern auf einem Pier in der Nähe des Meeres. In der Mitte standen Dutzende von Zelten. Wieder lebten wir in einem Zelt ohne Strom, inmitten der kalten Dunkelheit – wieder in Unsicherheit.

Eines Nachts fing ein Zelt Feuer. Eine Familie war vom Brand betroffen und wäre fast gestorben. Die Geflüchteten im Lager protestierten daraufhin gegen diese Zustände. Einer meiner Söhne wurde bei den Unruhen von der Bereitschaftspolizei geschlagen. Seit diesem Vorfall, haben meine Kinder jede Nacht Alpträume. Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich, dass wir versuchen mussten, Griechenland zu verlassen. Wir waren da nicht sicher.

Ich sammelte etwas Geld von Freunden und wir beschlossen, die Landgrenze zu überqueren. Aber eine Tragödie jagte die nächste: Mein 12-jähriger Sohn war auf halbem Weg verloren gegangen. Ich dachte, er sei gestorben oder entführt worden. Wir hingegen wurden verhaftet und nach Griechenland zurückgeschickt. … Es war ein glücklicher Tag, als mein Sohn mich aus Deutschland kontaktierte. Ich hörte seine Stimme und für einen Moment waren alle meine Sorgen verschwunden.

Ich ging zu den Mitarbeiter*innen des Lagers und fragte, wie wir zu meinen Sohn nach Deutschland gelangen könnten. Diese sagten mir aber lediglich, dass ich zu spät sei und wir sowieso in die Kategorie “separated child” gehören (gemeint sind nach gemeinsamer Ankunft in Griechenland, später getrennte Kinder). Aus diesem Grund könnten wir nicht einmal einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, weil wir uns “freiwillig” getrennt hätten. Ich verstehe bis heute nicht, was sie meinen. Wir treffen unsere Entscheidungen in einem Ausnahmezustand, während wir versuchen, das Beste für unsere Familie zu tun. Dabei sind es nicht nur diese Entscheidungen, die unsere Situation bestimmen, sondern auch unser Schicksal.

Wie kann es für eine Familie zu spät sein, um zusammen zu sein?

Jetzt ist mein kleiner Junge dort. Und wir sind hier. Wir leben mittlerweile in einem Container. Aber es ist kein Leben, wenn man zuerst seine Frau und die Mutter seiner Kinder und danach ein Kind verliert. Ich träume jede Nacht davon, wieder mit ihm zusammen zu sein. Und ich hoffe, dass ich bis zu dem Tag, an dem wir wieder zusammen an einem besseren Ort sein können, alle meine Kinder beschützen kann.

* Name geändert

“KAMPF FÜR DAS RECHT, ZUSAMMEN ZU SEIN!”

Eine Kampagne für die Zusammenführung der zwischen Deutschland und Griechenland getrennten Familien

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